Artikel über Chinesische Tümmler

Das Fliegen mit Taubenpfeifen
Die Tauben aus Peking
Geschichtliches
9000 Kilometer ostwärts
Pekinger Schönheitstauben oder Chinesische Tümmler
Unbekannte Taubenrassen aus China

Das Fliegen mit Taubenpfeifen
Die Tauben, die für diese Art des Taubensports verwendet werden, müssen einen gleichmäßigen Speed entwickeln, um die Pfeifen zum Klingen zu bringen.
Traditionell werden die Chinesischen Tümmler dafür verwendet.
Natürlich geht auch jede andere Taubenrasse, die ohne Rollen und Purzeln fliegt. Selbst Thüringer Schnippen habe ich schon mit den Pfeifen fliegen lassen. Des weiteren sind alle Arten von Hochfliegern nicht geeignet. Die Flughöhe sollte gerade so an die mittlere Höhe heranreichen. Man will ja die Pfeifen hören und keine Hochflugmeisterschaft gewinnen.
Zur Befestigung werden die mittleren vier Schwanzfedern zusammengebunden. Dies geht mit Faden, Kabelbinder und sogar Sekundenkleber recht gut und einfach. Zwischen diese Federn steckt man die Pfeife mit der Lufteintrittsöffnung nach vorn.
Unter dem Schwanz wird ein Ring, Federkiel oder auch eine Büroklammer durch das vorhandene Loch gezogen. Damit wird ein Verrutschen und Verlieren der Pfeife verhindert.
Natürlich muss man die Tauben erst an die gebundenen Schwanzfedern gewöhnen, ehe man die Pfeife aufsteckt. Rein theoretisch kann die Pfeife dann bis zur einsetzenden Mauser auf dem Tier verbleiben.
Ich binde die Pfeifen nur bei 1,0 auf, sodass sie selbst beim Begatten nicht stören. Wenn beide Geschlechter Pfeifen tragen würden, gibt es dann schon Befruchtungsprobleme.
Nun zu den Pfeifen: Diese sind in der Regel aus Bambus und kleinen Kürbissen gefertigt und stellt jede ein kleines Meisterwerk dar. Es ist nach wie vor reine Handarbeit und selbst in China nicht mehr sehr weit verbreitet. Pfeifen von alten Meistern sind nicht zu haben und wenn, dann für erschreckend hohe Preise. In Europa werden sie nur von zwei Züchtern selbst angefertigt.
Pfeifen mit mehr als drei Tönen sind beliebte Sammelobjekte und eigentlich für den Flug zu schade. Man muss immer damit rechnen, dass eine Taube mit der Pfeife wegkommt. Gerüchten zu folge sollen die Pfeifen vor Raubvogelangriffen schützen. Diese Aussage ist jedoch nicht belegt. Man muss sich mal überlegen, wenn ein hungriger Falke mit 200 km/h aus dem Himmel auf die Taube stürzt, ist es eher unwahrscheinlich, dass er die Töne aus der Pfeife hört. Als Vergleich kann man auf der Autobahn versuchen, bei offenem Fenster und 200 km/h Radio in normaler Lautstärke zu hören.
In Deutschland werden die Pfeifen vom Schlag oder Flugkasten geflogen.
Wer Interesse an diesem Sport mit dieser alten und sehr seltenen Rasse hat, kann sich mit mir in Verbindung setzen.
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Die Tauben aus Peking
Gemeint sind die chinesischen Tümmler oder besser die Pfeifentauben aus Peking.
In Europa mehr oder weniger bekannt und nur in Deutschland und Frankreich gibt es einen Standard für diese Rasse mit einem anerkannten Farbenschlag, Weißschildig in schwarz.
Von dieser Rasse ist nur wenig bekannt. Das vorhandene Wissen wurde von J.Schütte in den 60iger Jahren zusammengetragen und publiziert.
Da ich selbst diese Rasse züchte, wollte ich mich informieren und bin deshalb im Frühsommer 2006 zu einem Drei-Städte-Trip nach China gereist. Kontakte wurden schon vorher über das Internet geknüpft, dies ist als Vorbereitung unumgänglich.
Tauben gab es viele zu sehen, aber nur wenig Rassetauben - China ist ein Brieftaubenland. überall sieht man Taubenschläge mit Brieftauben, selbst im 13.Stockwerk von neuen Hochhäusern in Shanghai. Seltsamer Weise sieht man in den Großstädten wie Shanghai und Peking wenig verwilderte Haustauben.
Zum Entstehungsalter dieser Rasse gibt Schütte 1700 an, lässt aber den Rahmen bis in die Ching-Dynastie (1127 – 1279) offen. Durch meinen Besuch im Trommelturm von Xi`an kann ich die Entstehung in der Ching-Dynastie bestätigen. Dieser Turm wurde 1370 erbaut und zeigt im Inneren wunderschöne Deckengemälde mit weißen nasenkuppigen Tümmlern. Dies ist eigentlich der Beweis und die Bestätigung, das zum Zeitpunkt des Baues diese Tauben schon erzüchtet und bekannt waren.
Meine Fragen nach diesen Tauben führten mich in Xi´an zu einem Taubenzüchter, der seinen Taubenschlag auf einem Haus neben der alten Moschee Quingzhen Si hat.
Er konnte mit diesen Rassetauben im Turm nichts anfangen, eben ein Brieftauben-
züchter.
Während der Fahrt zu der Terrakotta–Armee – ein Muss für den Chinabesucher - war an gefiederten Haustieren nichts zu sehen.
Interessant ist für mich, dass es auf den Hausdächern ab und an Taubenplastiken aus Ton zu sehen gab. Glücksbringer in den Augen der Chinesen. ähnliches wird auch in Deutschland in Form einer weißen Pfautaube von den Dachziegelherstellern angeboten und gilt als schickes Dachdesign und ist dazu noch völlig gefahrlos.
Weitere interessante Tauben sah ich im neu eröffneten Hau Yuan Museum. Han Yuan war der 4.Kaiser der Hau-Dynastie, rund 100 Jahre vor Christus in der Nähe von Xi´an. Neben Rindern, Pferden und Schweinen gab es auch Hühner und Tauben aus Ton als Grabbeigaben in dem Museum zu bestaunen.
Die Tauben waren leider ohne sichtbaren Kopfputz und auch farblich nicht einzuordnen.
Der letzte Teil meiner Reise war Peking. Sehr markant war der Kaiserpalast in seinen riesigen Ausdehnungen von 720 000 m2. Bekannt ist dieses Bauwerk durch den Film „Der letzte Kaiser“ geworden. Leider war die Zeit viel zu kurz, um tiefer in die Taubenszene einzutauchen.
Nun erfüllte sich auch mein Traum, endlich chinesische Tauben, eine uralte Rasse mit toller Ausstrahlung, in der Hand zu halten.
Bei meinen Zuchtfreund, Herrn Wang, konnte ich nun Weißschilder, Farbschwänze, Schnippen und Einfarbige in Schwarz und Rot besichtigen.
Die Tauben sind meiner Meinung nach eine Nummer größer als bei uns und bestimmt 2 bis 3 Klassen besser als alles, was ich bis jetzt bei uns in Deutschland gesehen habe.
Ich war happy.
Der Trend in der Zucht liegt in Peking eindeutig in Richtung kurzer Schnabel sowie runder Kopf, bei uns soll der Schnabel knapp mittellang sein - hier waren es typische Kurzschnäbler.
Die Qualität der Tauben war beeindruckend. Führend sind die Einfarbig Weißen und Reinschwarzen. Besonderer Wert wird bei den Schwarzen auf möglichst sauberen grünen Glanz im Halsgefieder gelegt, dies führt leider zu etwas matter Farbe.
Die Schnippen in schwarz sind der beste Farbenschlag bei den Gezeichneten. Gefolgt von den Farbhälsen in Schwarz und wenigen in Rot. Danach kommen die bei uns bekannten Weißschilder in Schwarz, rote Weißschilder gibt es auch – diese sind aber qualitativ weit abgeschlagen - mit meinen Tauben in der Qualität gleich zu setzen.
Der allerseltenste Farbenschlag sind Farbige mit weißen Hals, also umgekehrte Farbhälse. Diese gibt es in Schwarz, Rot sowie Gelb und sind von der Idealzeichnung, den Bildern nach, noch weit entfernt.
Weitere Fragen von mir bezogen sich auf die Verbreitung der Rasse. Es gibt jede Menge Taubenzüchter in Peking, davon halten wenige Rassetauben ( meist Pfautauben und Mövchen) und noch weniger Chinesische Tümmler. Mein Taubenfreund denkt, dass es in Peking und Umland noch rund 100 – 200 Züchter sind. Alles nur in-etwa-Zahlen, eine Organisation für Taubenzüchter gibt es nicht. Die Anzahl der Zeichnungen ist beachtlich, meist werden sie nur in Schwarz und Rot gezüchtet.
Erschwerend kommt hinzu, dass oftmals auch zwei Augenfarben möglich sind. Am beliebtesten sind dunkelbraune (bohnenfarbige) Augen, doch gibt es (auch bei den Weißen) noch rote Augen in allen Farben. Dazu kommen alle Farbenschläge in glattfüßig, bestrümpft und belatscht vor.
Wichtigstes an dieser Rasse ist der Flug mit den Taubenpfeifen oder –flöten.
Geflogen wird in Peking nur im Frühling und im Winter, der Sommer ist zu warm
(bis 40 Grad Celsius) und zu schwül. Die Flugdauer soll bis zu 40 Minuten betragen. Man muss aber bedenken, dass die Tauben auch die Pfeife tragen müssen.
Es werden immer größere Trupps geflogen, Junge und Alte durcheinander. Es zählt eigentlich nur die “Musik“ die durch die Pfeifen auf den Schwänzen erzeugt wird.
Größere und schwerere Pfeifen mit bis zu 22 Tönen werden auf Brieftauben gebunden. Tauben, die nicht den gleichmäßigen Flug zeigen, werden ausselektiert. Wichtiges Flugmerkmal ist die relativ niedrige Flughöhe (knapp mittelhoch) und der gleichmäßige Speed, nur so können die Pfeifen klingen.
Im Dezember findet auf dem großen Pekinger Wochenmarkt immer am Samstag auch ein Taubenmarkt statt. Diesen Markt habe ich im Dezember 2006 besucht. Darüber in einem anderen Beitrag.
Natürlich habe ich auch nach den Preisen für die Tauben gefragt. Die Antwort machte mich sprachlos. Auch in Peking kostet unser Hobby viel Geld und dies bei einem Monatseinkommen von 150 bis 200 Euro - soviel kostet ein Paar typisch gezeichneter Schnippentümmler in Schwarz.
Die medizinische Betreuung der Tauben ist auf sehr hohem Niveau – eben ein Brieftaubenland.
Medikamente gegen Alles sind zu erschwinglichen Preisen zu erhalten.
Gefüttert wird eine reichhaltige Mischung mit nur 15-20% Weizenanteil, alles andere sind verschiedenste Sämereien. Der Preis pro Kilogramm beträgt 10-15 Eurocent. Das Futter wird gleich in 25 kg Säcken oder auch lose verkauft.
Literatur zu diesen Tauben gibt es eigentlich nicht. Ein Reprint mit alten gemalten Abbildungen ist im Umlauf. Das Problem bei diesem Buch ist leider die Schrift, es ist in Altchinesisch geschrieben und ein „normaler“ Dolmetscher hat damit viele übersetzungsschwierigkeiten. Es gibt im Chinesisch keine Buchstaben. Es sind Symbole mit verschiedenen Bedeutungen. Im Altchinesisch sind diese Bedeutungen oft sehr “blumenreich“ und die Bedeutung heute nicht mehr zu zuordnen.Farbenschwänze werden Adlerschwänze genannt, es gibt schwarze Tigerköpfe, schwarze Flecken am Hals werden als Blumen bezeichnet und Augenbrauen sind Halbmonde. Tauben mit geschecktem Kopf auf weißen Grund und farbigen Schwanz sind „Tigerkopfadler“ – einfach toll.

Taubenzüchter mit Halsringtümmler Deckenbild im Trommelturm von Xi'an
Grabbeigaben in Form von Hühnern und Tauben aus Ton Ganze Scharen von Nutztieren aus Ton im Grab
Chinesische Tümmler in Spitzenqualität und verschiedenen Farbenschlägen, hinten eine tolle Pfeifensammlung
mein Freund John Wang mit Schnippentümmler Tauben mit Pfeifen bei Herrn Leo,...
 
...er hat seinen Taubenschlag auf einem Dach im 30. Stockwerk eines Hochhauses.  


Die bei uns bekannten Weißschilder heißen hier „beschlagener Rabe“ und geelsterte Tauben sind “ die Vögel, die in der Stadt Fleisch fressen“.
Da die übersetzung schon sehr schwer ist, kann man dann selbst das übersetzte nicht oder nur schwer verstehen und an unsere Fachbegriffe für Farbe und Zeichnung angleichen.
Weiterhin gibt es noch ein Buch über die Herstellung von Taubenpfeifen. Der Schreiber des Buches ist 92 Jahre alt und der letzte lebende Altmeister dieser Kunst.
Dieses Buch gibt es auch in englischer Sprache.
Heute werden die Pfeifen, meist nur mit 3 bis 6 Tönen, von den Züchtern selbst hergestellt. Sie sind eher zweckmäßig als schön. Pfeifen mit mehr Tönen sind gefragt und sind mit der Signatur eines alten Meisters unbezahlbar- auch für europäische Verhältnisse. Sie sind Sammlerstücke und werden in der Regel nicht geflogen.
Die Pfeifen sind aus Bambus in Kombination mit Holz und Horn. Die Herstellung ist mühsame und reine Handarbeit. Da es keine Ausstellungen, sondern nur gelegentliche Präsentationen der verschiedenen Linien und Farben der Tauben von befreundeten Züchtern gibt, ist das Fliegen mit den Pfeifen sehr wichtig für den Erhalt der Rasse.
Wer mal Taubenpfeifen im Flug hören möchte, muss aber nun nicht gleich nach China reisen. Neuerdings fliegen auch Chinesische Tümmler bei den Flugkastenveranstaltungen des DFC mit den Pfeifen. Dies ist sehr unterhaltsam und spannend für die Zuschauer. Termine dazu sind aus den Fachzeitschriften zu entnehmen oder bei Sportsfreund Deubelli vom DFC telefonisch unter 0871/ 951954 zu erfragen.
Wer nicht bis zu so einer Veranstaltung warten will, kann im Tierpark Hellabrunn / München ebenfalls Tauben mit Pfeifen sehen und hören – das passende Wetter voraus gesetzt.
Viele Fragen zu dieser Rasse sind noch offen, aber sie können eben nur mit den Züchtern in ihrer Heimat geklärt werden.
Zu den einzelnen Farbenschlägen und Zeichnungsformen wird demnächst ein weiterer Artikel folgen.
Auf jeden Fall ist ein Anfang gemacht. Warum soll eine Rasse mit solch langer Vergangenheit keine Zukunft bei uns haben?
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Geschichtliches - Wie alles begann...
Die chinesischen Tümmler kamen in der 80iger Jahren nach Deutschland. In der ehemaligen DDR kamen die Tiere über Moskau in wenige Züchterhände. Die Anerkennung und Aufnahme in den Standard des VKSK war kein Thema, die Rasse kam aus einem „Bruderland“.
Leider konnte sie nicht richtig Fuß fassen, die Zeichnung war zu kompliziert und die genetische Basis sehr schmal. Viele Tiere wurden abgegeben und verschwanden dann in den Kochtöpfen.
Erst nach dem sich M. Zschammer und B. Schneider der Rasse annahmen, wurden die Tauben regelmäßig auf den Siegerschauen der DDR gezeigt.
Nach der Wende wurden die Tiere nach einem kurzen Auftritt auf einer früheren Schau in Nürnberg auch im Westen bekannt, einige Tiere gab es hier schon – auch einige wenigen Schnippentümmler, aber von planmäßiger Zucht war keine Rede, zu schwer die Zucht dieser Rasse.
!998 bekam ich die ersten Tiere von M. Zschammer und das Virus Chinesische Tümmler schlug voll bei mir ein. Es war die ultimative Herausforderung hier etwas zu erhalten und zu verbessern, das eigentlich in den letzten Zügen lag. Ich erhielt alle Fehlfarben, die in der Zucht von M. Zschammer anfielen. Nun begann das Mixen und entwirren der unterschiedlichen Zeichnungsformen und verschiedenen Farben.
Die chinesischen Tümmler kamen in der 80iger Jahren nach Deutschland. In der ehemaligen DDR kamen die Tiere über Moskau in wenige Züchterhände. Die Anerkennung und Aufnahme in den Standard des VKSK war kein Thema, die Rasse kam aus einem „Bruderland“.
Leider konnte sie nicht richtig Fuß fassen, die Zeichnung war zu kompliziert und die genetische Basis sehr schmal. Viele Tiere wurden abgegeben und verschwanden dann in den Kochtöpfen.
Erst nach dem sich M. Zschammer und B. Schneider der Rasse annahmen, wurden die Tauben regelmäßig auf den Siegerschauen der DDR gezeigt.
Nach der Wende wurden die Tiere nach einem kurzen Auftritt auf einer früheren Schau in Nürnberg auch im Westen bekannt, einige Tiere gab es hier schon – auch einige wenigen Schnippentümmler, aber von planmäßiger Zucht war keine Rede, zu schwer die Zucht dieser Rasse.
!998 bekam ich die ersten Tiere von M. Zschammer und das Virus Chinesische Tümmler schlug voll bei mir ein. Es war die ultimative Herausforderung hier etwas zu erhalten und zu verbessern, das eigentlich in den letzten Zügen lag. Ich erhielt alle Fehlfarben, die in der Zucht von M. Zschammer anfielen. Nun begann das Mixen und entwirren der unterschiedlichen Zeichnungsformen und verschiedenen Farben.
An die Haltung, Unterbringung und Fütterung stellen die Tauben keine besonderen Anforderungen. Ich füttere zur Zuchtzeit viele kleinkörnige Futtersorten und nur endspitzte Gerste, dies sind Erfahrungswerte und müssen nicht richtig sein. In China habe ich das Futter gesehen und Weizen sowie Gerste waren da vielleicht 20% der Mischung. Hirse, Dari und viele andere rundkörnige Sorten sind dort im Futter.

Farbschwarz und Weißschild Weiß und dunfarbig
Jungtiere schwarz und gelb mit Nasenkuppe Weißschild mit Jungtieren
Brieftauben mit Pfeifen im Tierpark Hellabrunn in München
 
Taubenpfeifen aus Kürbissen und Bambus gefertigt  

Die Zucht beginnt bei mir mit der Verpaarung im Februar und beendet wird sie im Juli. Die Jungen müssen im Herbst voll durchgemausert sein, da sie sehr anfällig auf nasskaltes Wetter reagieren. Wenn sie einmal durch die Mauser sind, ist das nasskalte Wetter bei uns in Mitteleuropa kein Thema mehr.
Wie bei allen Rassen gibt es Paare die nicht perfekt in der Aufzucht ihrer Jungtiere sind, aber im Großen und Ganzen bin ich mit der Aufzuchtsleistung recht zu frieden. In der Regel ziehe ich pro Paar zwischen 4-8 Jungtiere auf, beachten muss man bei diesen Zahlen aber die Spalterbigkeit des Kopfputzes. Es fallen oft auch Geschwisterpaare ohne Nasenkuppe an und man wartet dann auf das nächste Gelege und schon sind die Jungtiere wieder ohne Nasenkuppe. Aber ich habe auch Paare, die noch nie einen Glattkopf gezogen haben. Diese Paare sind sehr wertvoll und werden bei mir nie getrennt.
Weiterhin spalten alle Farben und Zeichnungen noch sehr auf, dies kann nur durch Reinzucht und größere Verbreitung verbessert werden.
Nun zum Thema Freiflug, in der Heimat dieser Rasse werden die Tauben im Freiflug, aber auch in Volieren gehalten.
Wichtig und einmalig für diese Rasse ist der Flug mit den ultraleichten Taubenpfeifen. Dies ist eine alte Tradition in China und hat nichts mit Religion oder ähnlichen zu tun. Es ist ein Ausdruck von Lebensfreude und das Streben nach Harmonie in Verbindung von schönen Tauben und schönen Klängen. Ziel ist das Erreichen von klanglicher Harmonie in der Luft.
Leider kann man so etwas nicht lernen, es wird von klein auf an die nächste Generation der chinesischen Taubenzüchter weitergegeben. Bei uns in Deutschland führt das Fliegen von Tauben mit Pfeifen eher zum Nachbarschaftsstreit als zur Bewunderung der vollkommenen Harmonie.
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9000 Kilometer ostwärts - nach Peking - der Tauben wegen
Im Dezember 2008 war es wieder einmal soweit. Ich reiste für 10 Tage zu den Taubenzüchtern und ihren Tauben nach Peking.

Durch die komplexe Vorbereitung über Internetverbindungen und die gekonnte Übersetzungsleistung meines Dolmetschers Guorui Fan wurde diese Reise zu einem Erlebnis der Extraklasse. Ohne diese Unterstützung vor Ort ist es unmöglich in so einer riesigen Stadt gezielt nach Tauben und ihren Züchtern zu suchen..

Durch meine vorherigen Besuche konnte ich meine bestehenden Freundschaften auffrischen und einige neue Züchter kennen lernen. Leider sind 10 Tage viel zu kurz, um umfassende und tiefgreifende Erkenntnisse über die einheimischen Rassen, ihre Zucht und die Verbreitung sowie eventueller Entstehung zu gewinnen. Es ist ein Kratzen an der Oberfläche, aber immer hin ein Anfang..

Nach wie vor gibt es keine Organisation, die sich mit Rassetauben in China beschäftigt. Im Gegensatz dazu ist die Sporttaubenszene, ähnlich wie bei uns in Europa, straff organisiert. Beringung, Trainingsflüge und Wettkämpfe alles wie gehabt..

Verschiedene Farbenschläge der Chinesischen Tümmler

Rassetauben werden dagegen nicht beringt oder nur mit Farbringen und einer fortlaufenden Zahl. Damit fällt ein organisiertes Ausstellungswesen völlig aus. Die Taubenzüchter kennen sich durch den Besuch der Taubenmärkte, die eigentlich täglich stattfinden. Es sind feste Handelsplätze mit festen Ständen, in denen die Eigentümer oft auch wohnen. Es gibt alles was man für Tauben- bzw. Kleintierzucht und Haltung benötigt. Fische, Vögel und Grillen sind nur ein kleiner Teil, es gibt auch Stände für Hühner und junge Hunde. Die Taubenzüchter besuchen sich üblicher Weise nicht, sondern Verabreden ein Treffen an einem der nächsten Tage und bringen dann die gewollten oder nicht benötigten Tauben mit.


So macht jeder sein eigenes Ding und züchtet nach eigenem Gutdenken. Es gibt ein Buch aus dem Jahr 2002, in dem die chinesischen Taubenrassen beschrieben sind.

Aussehen und Zuchtziel werden dort festgelegt. Leider wurden nur relativ wenige Bücher gedruckt und kein Exemplar mehr zu haben. Von Standartbildern ist in diesem Werk auch nicht zu sehen, nur einige grobe Skizzen säumen den Text.

Vor knapp zwei Jahren änderte sich grundlegend die Zucht der einheimischen Taubenrassen.
Etwas sehr Großes entstand. Der Geschäftsführer Herr Wang Xian der modernen Holz- und Spanplatten verarbeitenden Firma Longfa , die nicht nur in China arbeitet, gründete am Stadtrand von Peking auf seinem Firmengelände eine Zuchtstation für diese alten chinesischen Schönheitstauben.

Von rechts: Geschäftsführer Herr Wang Xian, der Verfasser und Zuchtleiter Herr Hou Jun Kai

Schönheitstauben werden alle Tauben, die keine Sporttauben sind, genannt. Diese Rassen sind planmäßig in China entstanden und haben ein umrissenes Zuchtziel.

Dazu muss ich sagen, dass in China alles etwas größer ist, so auch die Zuchtstation. Hier in dieser modernen Einrichtung sind 1200 Schönheitstauben in mehreren Rassen und sehr vielen Farbenschlägen und die dazu als Ammen benötigten Sporttauben untergebracht.
Die Stallanlagen sind nach dem Muster belgischen Sporttaubenschlägen eingerichtet und alles wird auf Spaltenböden gehalten. Die gesamte Anlage ist sehr sauber und hell.
Für das Zuchtgeschehen hat Herr Wang Xian einen fähigen Taubenzüchter, Herrn Hou Jun Kai eingestellt. Er kümmert sich mit Hilfe eines PC - Programm um das ganze Zuchtgeschehen.
Ihm zur Seite stehen ein Tierarzt und zwei Hilfskräfte, die sich um das tägliche Wohl der Tiere kümmern. Zur Station gehören noch eine Zucht Alpakas, Zwergponys und einer Meute der Hunderasse Doberman. Diese haben dann auch noch Wachfunktion für den wertvollen Taubenbestand zu übernehmen.

Herr Hou Jun Kai vor einem Plakat von der Gründung der Zuchtstation

Herr Wang Xian hat neben dieser Zuchtstation noch eine weitere Station für Chinesische Taubenrassen an der russischen Grenze. Des weiterem sponsert er auch noch zwei Webseiten über Tauben und Taubenpfeifen in China.
Dies wird alles aus seinen privaten Mitteln finanziert und nicht aus irgendwelchen Beiträgen oder Spenden.
Auch gesellschaftlich ist dieser Unternehmer sehr rege, nach dem großen Erdbeben in Zentralchina 2008 ließ er 5 Schulen auf seine Kosten wieder errichten.

Leider so sagt er, .. Zeit für diese schönen Tauben habe er viel zu wenig.., aber er will sie als nationales Erbe erhalten und verbreiten …..

Sein nächstes Projekt ist eine Holzwerkstatt für das alte chinesische Handwerk der Taubenpfeifenherstellung. Junge geschickte Menschen sollen dieses Kunsthandwerk erlernen und so die chinesische Tradition bewahren.
So lernte ich in Wang Xian einen weltoffenen und angagierten Unternehmer des neuen Chinas kennen.

Als Leiter und Meister soll Herr Qin Qiang geworben werden. Ihn habe ich ebenfalls in seiner Wohnung besucht. Ich konnte seine Sammlung selbst gebauter Pfeifen anschauen.
Es gibt überlieferte feste Anleitungen für den Bau der einzelnen Typen von Pfeifen. Die Pfeifen des Herrn Qin Qiang sind sehr klein, trotz vieler Töne, ich war sehr angetan von seiner Arbeit. Sein Meisterstück sind die Pfeifen mit 35 Tönen. Er hält auf dem Balkon ein Paar weißhalsige chinesische Tümmler in Rot, nur um die Pfeifen zu testen. Je metallischer der Klang einer Pfeife, desto besser ist sie. Nebenbei pflegt er noch eine Webseite über den Bau dieser Pfeifen.

Herr Qin Qiang mit seinen Pfeifen

Den Taubenzüchter Herrn Lin Zhi Gang lernte ich ebenfalls auf dem Taubenmarkt kennen.
Er lud mich ein und ich sollte seinen Taubenbestand anschauen. Er lebt an Rande der Stadt Peking und so sagte ich einen Besuch zu. Leider war dieser Rand 75 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, Also fuhren wir mit dem Taxi nach Li Ge Zhuang im Da Xing Distrikt. Herr Lin Zhi Gang lebt von der Landwirtschaft. Er baut mit seiner Familie Mais und Hirse an. Weiterhin hat er noch eine riesige Herde gelber einheimischer Legehühner. Die Rasse ist mir nicht bekannt. Daneben züchtet er noch Fische und Schildkröten für die Restaurants der Hauptstadt.

Taubenschlag von Lin Zhi Gang und Halsringtümmler mit Schnippe

Seine Taubenschläge sind über den Ställen nach belgischen Sporttaubenschlägen eingerichtet.
Er fliegt mit seinen Sporttauben recht erfolgreich Strecken bis 500 km. Daneben hat er chinesische Halsbandtümmler und Weißschilder in Schwarz von bemerkenswerter Qualität. Natürlich alles im Freiflug. Sie flogen ihre Runden mit der Sporttauben bei 7 Grad unter Null.
Greifvogelprobleme gibt es hier nicht und wenn, werden sie schnell und effektiv gelöst.
Der Fußboden der Schlaganlage war aus gevierteltem Bambus, ähnlich wie Roste, gemacht. Sehr stabil und haltbar, der Mist der Tauben wurde einfach durchgekehrt.> Weitere Schlaganlagen wurden besichtigt, darüber aber später in einem Artikel über die Chinesischen Schönheitstauben.

Der absolute Renner auf dem Taubenmarkt waren die Gratisexemplare der Geflügelbörse und meine Visitenkarten. Informationen über die Geflügel- und Taubenzucht vom anderen Ende der Welt sind in China leider, außer aus dem Internet, nicht zu erhalten.

Leider war die Zeit wieder einmal viel zu kurz, um die vielen interessanten Taubenzüchter zu besuchen, ihre wunderschönen Tauben zu bestaunen und nebenbei einen kleinen Einblick in ihr Leben zu bekommen.
Aber ich habe für alle Fälle alles erst einmal aufgeschrieben. Denn eins ist klar, dies war nicht meine letzte Reise ins Reich der Mitte, der Tauben wegen.

Bilder vom Taubenmarkt - wie überall auf der Welt - Spezialisten unter sich

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Pekinger Schönheitstauben oder Chinesische Tümmler
Der Name Chinesische Tümmler wurde in Deutschland zur Anerkennung dieser Taubenrasse gewählt. In Russland heißen diese Tauben …"Pekingskije".. und in China eben Pekinger Schönheitstauben. Ob sie in der Rassegruppe Tümmler richtig eingeordnet sind und ob es in China nicht noch richtige Tümmler oder Hochflieger gibt, die diesen Namen verdienen, will ich hier eigentlich nicht abhandeln.

Es soll hier nur um diese Tauben aus Peking gehen. Sicher ist ihr Entstehungsgebiet in oder um Peking zu suchen. Sie wurden hier schon im 11. Jahrhundert gezüchtet und sind heute noch recht häufig in der chinesischen Hauptstadt anzutreffen.

Bei uns in Deutschland und in ganz Europa ist es mit dieser Rasse nicht so gut gestellt. Nur wenige Züchter bemühen sich um dieses alte chinesische Kulturgut.

Die größte Zucht der chinesischen Schönheitstauben ist heute in den Händen von Herrn Wang Xian. Hier konnte ich auch die meisten der nachfolgend beschriebenen Farbenschläge und Zeichnungen sehen und fotografieren..
Ich will nicht auf die Übersetzung der chinesischen Bezeichnungen der Farben und Zeichnungen verzichten, da sie oft sehr poetisch sind. Ich versuche aber mich an die bei uns üblichen Farbbezeichnungen zu halten.

An einfarbigen Schlägen gibt es schwarz, weiß, dun, rot, gelb, blau mit Binden und blau gehämmert.
Die Schwarzen sind sehr matt in der Farbe und sollen keinen violetten Glanz im Hals haben.
Grünglanz ist ein Muss. Hier gibt es wahrscheinlich einen Zusammenhang. Einfarbig rot und gelb ist selten. Blaue gibt es in schöner heller blauer Farbe mit schwarzen Binden, die Rückenfarbe ist mal weiß und mal hellblau. Die Blaugehämmerten haben sehr viel Braun in der Hämmerung. Blaue mit weißen Schwingen haben oft ein weißes Herz im Hinterhals. Diese konnte ich in meiner Zucht auch schon beobachten. Des weiteren gibt es Blaue mit weißen Binden, dazu kommen dann noch ein weißer Kopf und eventuell noch ein weißer Schwanz und oder weiße Schwingen. Kombinationen ohne Ende, aber oft nur als Einzeltiere vorhanden. Ich habe auch Bilder von sogenannten hellblauen Tieren mit weißen Binden gesehen.
Rotfahle mit vielen Tintenspritzern, vielleicht etwas vielfarbig mit drin, machten einen recht bunten Eindruck.

Zu den Schwarzen werden immer schwarzen mit weißen Schwingen, Weißbindige (Jadebinden) und Schwarzhellschildiggesäumte (Glücksflügel) gehalten. Die "Glücksflügel" sind mehr oder weniger gesäumt. Beliebt ist die weiße Finkenzeichnung auf den Schwingen.
Diese Zeichnungen gibt es auch in Rot. Rothellschildiggesäumte sind dann "Purpurglücksflügel". Rote mit weißen Schwingen habe ich gesehen, Weißbindige nicht.
In diese Gruppe gehören noch die Bronzefarbigen. Blaue Grundfarbe mit bronzefarbigem Flügelschild sind "Bronzeschilder", mit Bronzebinden "kupferne Rückenflosse" - soll sicher an die Farbe und vielleicht auch der Form der Rückenflosse eines Karpfens angelehnt sein, diese Bezeichnung.
Einfarbig weiße gibt es mit braunen Augen "Bohnenauge" und mit gelben Augen "Goldauge". Dann gibt es die Weißen noch glattfüßig, bestrümpft und belatscht in beiden Augenfarben.

Ein sehr seltener Farbenschlag sind die Eisfarbigen mit schwarzer Hämmerung. Sie werden "Schneeflocken" genannt - die Grundfarbe ist der Schnee und die Hämmerung ist der Boden, der noch nicht ganz mit Schnee bedeckt ist. Es werden in der Bezeichnung also Grundfarbe und Zeichnungsfarbe im Namen einfach umgedreht.

Sehr schön sind auch Rote mit weißem Kopf und dazu einige mit weißem Schwanz. Der Übergang vom weißen Kopf zum farbigen Gefieder war nicht ganz korrekt, aber dies störte niemand.

Bei den gezeichneten Tieren geht es auch sehr bunt zu.
Selten sind die Weißhälse in schwarz, rot und gelb. Sie heißen auch so, z.B. "Weißhals in Purpur".
Eine sehr komplizierte Zeichnung, der weiße Ring geht um den ganzen Hals. Ansonsten ist das restliche Gefieder einfarbig. Zwischenzeichnungen sind möglich. Der weiße Ring ist hinten am Hals nicht geschlossen und das Weiß zieht sich bis zu den Schenkel hin, ähnlich wie bei den Budapester Kiebitzen, dann spricht man von Weißbäuchen.

Übrigens gibt es die Farbbezeichnung Rot in China nicht. Die tiefrote Farbe, sicher dominantrot, wird "purpur" genannt. Der gelbe Farbenschlag wird mit den Dachziegeln des Kaiserpalastes verglichen und als "gold" bezeichnet. Gelbe Farbenschläge gibt es aber sehr selten.

Schildig gezeichnete Tauben in Rot habe ich auf dem Taubenmarkt gesehen. Selten gezüchtet und mit etwas Farbestoff am Schnabelansatz, waren sie sehr attraktiv anzuschauen.

Geelsterte gibt es ebenfalls in schwarz. Sie werden umschrieben als "… Vögel, die in der Stadt nach Fleisch suchen…" , also den Elstern. Wobei es in Peking neben den uns bekannten Elstern noch die sehr schönen, etwas kleineren Blauelstern gibt.
Eine Abwandlung der Elsterung gibt es als Gansel, leider nur in schwarz mit schönen dunkelbraunen Augen.

Mein absoluter Lieblingsfarbenschlag sind die Brustringtümmler. Schneeweiß mit einem farbigen Ring um Hals und Brust. Es gibt sie in schwarz, rot und silber (lahoresilber). Gelbe und Blaue sind nicht sicher bekannt. Sie werden mit dunkelbraunen und roten Augen gezüchtet und auch hemmungslos gemischt. Die braunen Augen sind aber beliebter.
Mehrere Varianten der Brustringtümmler gibt es, z.B. noch mit farbiger Schnippe und nur mit einem farbigen Nackenfleck, ähnlich den Griwun.
Unsere bekannte Schnippenzeichnung ist auch bei den Pekinger Schönheitstauben bekannt, in schwarz, rot und blau mit roten und braunen Augen. Dazu gibt es noch einige Abwandlungen. Die Schnippenzeichnung kann mit farbigen Handschwingen und oder mit weißen Schwanz kombiniert sein. Es gibt ganz Weiße mit farbiger Schnippe, Weiße mit farbigen Handschwingen. In Schwarz heißen sie "Eisenschwinge" und in rot "Purpurschwinge". Wenn zu dieser Zeichnung dann noch farbiges Kopf- , Hals- und Schwanzgefieder dazu kommt, sind wir bei den in Deutschland anerkannten Chinesischen Tümmlern in weißschildig, die eigentlich keine Weißschilder sind. In Peking heißen die Schwarzen "Rabenhälse mit Stahlschwingen".
Die "Weißschild" Tümmler gibt es in schwarz, rot und silber. Auch hier alles mit braunen oder roten Augen. Wenn die Handschwingen weiß sind, sind es "Rabenhälse mit weißen Flügel". Kommt dann noch ein weißer Schwanz dazu, sind wir bei den sehr beliebten nur "Rabenhälsen". Also Kopf, Hals und Brust sind farbig, sonst alles weiß. Dazu kommt oft noch etwas Bestrümpfung an den Füßen.

Einen neuen Farbenschlag sah ich bei Herrn Hou Jun Kai. Ich würde sagen, so eine Art Zeichnung wie bei den Silberschuppen, diese Zeichnung wird "Coccinella " genannt.
Ich habe gleich mal "gegoogelt" und unter diesem Namen den Marienkäfer gefunden. Der Name "Coccinella" bezeichnet die unterschiedliche Zahl von Punkten auf den Deckflügeln der Marienkäfer. Na ja, kann man vielleicht durchgehen lassen.

Was gab es noch an Farben und Zeichnungen zu sehen? Ich zähle noch einige auf: Weißhälse in schwarz, also Kopf und Hals weiß und der Rest des Gefieder schwarz. Weiterhin Strasserartig gezeichnete in Libanonbronzedominant also mit weißer Schwanzbinde und sehr beeindruckende "Gedachelte" in schwarz mit weißen Schwingen und Schwanz.

Einheimische Züchter geben 126 verschiedene Farb- und Zeichnungsmöglichkeiten als möglich an. Ich dachte immer, dass ich mit 27 verschiedenen Varianten, in meinen Schlägen, schon viele habe. Wie viele davon noch existent sind, ist nicht zu klären. Zumindest nicht in 10 Tagen.

Einen ganz einmaligen und vielleicht noch nie fotografierten Kopfputz habe ich nun noch zu bieten. Die Mehrzahl der Chinesischen Schönheitstauben hat eine Nasenkuppe in verschiedenen Ausformungen zu bieten. Aber diese Taube, um die es nun geht, hat neben der Nasenkuppe noch eine Art Schopf. Es war kein Wirbel oder ähnliches zu erkennen. Ich habe diesen Kopfschmuck schon vor zwei Jahren mal bei einem anderen Züchter fotografiert, aber nicht für voll genommen. Aber nun sehen wir diesen "Schopf" in voller Pracht.

Es gibt, meines Wissens nach, keine andere Haustaubenrasse mit so einer Kopfbefiederung. Vielleicht ist es eine Mutation.
Herr Hou Jun Kai sagte, dass dies eine Überstruktur sei und dies gelegentlich auftritt.
Theoretisch lässt sich so eine Struktur auch zielgerichtet auf die anderen Farbenschläge der chinesischen Tümmler übertragen und züchten.

Vielleicht können wir dann auf unseren Ausstellungen irgendwann bei den Chinesischen Tümmlern auf der Bewertungskarte lesen …" Schopf ausgeprägter und etwas länger in der Feder…


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Unbekannte Taubenrassen aus China
Im Handbuch der Taubenrassen von Schütte, Stach und Wolters sind neben den chinesischen Tümmlern noch einige andere Taubenrassen beschrieben. Leider sind die Quellen oft sehr alt und Fotos waren auch keine zu erhalten.

Ka-Shin Brieftauben zwischen Pekinger Schönheitstauben

Ich habe versucht, bei meinen Besuchen in China etwas über die Taubenrassen zu erfahren und wenn möglich diese Tauben auch im Bild fest zuhalten.

Es gibt zwei verschiedene Brieftaubenrassen, rein chinesischen Ursprungs, ohne Fremdblut aus Europa. Beide gibt es nur im eisblauen Farbenschlag. Die Ka-Shin Brieftauben kommen aus Ostchina und sind etwas eleganter und kleiner als unsere Sporttauben. Sie flogen nur auf Kurzstrecken bis 100 Kilometer. Der Kopf ist immer glatt, ohne Nasenkuppe oder Haube. Augenfarbe leuchtend rot.
Die Tungkoon-Paak-Tauben kommen aus Südchina. Sie haben teilweise eine Nasenkuppe. Sie sollen auch für weite Strecken geeignet sein.
Da sie sicher langsamer flogen als die europäischen Brieftaubenschläge, ist ihr Schattendasein leicht zu erklären. Im Schnabel sind sie mittellang, die Augenfarbe ist rot und die silberne Eisfarbe wird bevorzugt.

Beide Rassen werden heute nicht mehr im Wettkampf geflogen. Sie werden als Ammen und für den Flug mit Taubenpfeifen verwendet. Sie sind inzwischen selten zu haben.

Eine andere Rasse, die den Brieftauben nahe steht, sind die „Tauben aus Xian“. Es ist eine brieftaubengroße Taubenrasse. Sie soll sehr alt sein und wird auch als ursprüngliche Ahnentaube der Pekinger Schönheitstaube genannt. Sie haben einen kräftigen Schnabel und die Augenfarbe kann rot oder braun sein. Sie kommen aus der Region Xian, bekannt durch die Terrakotta-Armee. Es gibt sie in weiß, Brustring rot und schwarz und mit farbigen Kopf, Hals und Brust in rot und schwarz. Sie fliegen recht gut und sind im Zuchtgeschehen zuverlässig. Meist haben sie eine Nasenkuppe, wenige Tiere sind glattköpfig.

Taube aus Xian – roter Brustring

Die nächste Rasse würde in Deutschland hinter den Römern eingeordnet werden. Es sind lange, große Tauben, mindestens 50 cm lang und heißen…“große Taube“.
Es gibt sie in schwarz und weiß, neuerdings soll es sie auch in schwarzschnippig geben.
Zwei besondere Merkmale sind dieser Rasse eigen. Erstens der „ungeordnete“ Schwanzfedernwuchs, alle Schwanzfedern stehen kreuz und quer. Also nicht nur waagerecht, sondern auch senkrecht wachsen die Federn. Dazu haben sie noch verlängerte Federn auf dem Oberkopf, die am Kopfende leicht überstehen. Ob sie ähnlich wie beim Eichelhäher etwas angehoben werden können, konnte ich nicht beobachten. Diese Rasse kann nur sehr schlecht fliegen.

Die „Pekinger Schnippentaube“ ist noch nicht so alt. Schnippige Tümmler wurden mit den weißen russischen Schönheitsbrieftauben gekreuzt. Diese Rasse ist brieftaubengroß und kommt nur in schwarzschnippig vor. An den groben Augenrändern und den kompakten Schnabel ist der Dragoon als Ahn sichtbar. Seltsamer Weise gibt es bei dieser Rasse viele Tiere mit fünf Zehen. Die hintere Zehe ist gespalten oder es gibt zwei davon. Wieso dies gerade bei dieser Rasse verstärkt auftritt, war nicht zu erfahren. Es ist eben wie es ist. Die Tiere mit Fünfzehigkeit werden gleichberechtigt ins Zuchtgeschehen genommen. Sie fliegen und ziehen gut.

Pekinger Schnippentaube

Eine andere Rasse hat einen treffenden Namen. Sie werden ganz einfach „Purzler“ oder „Überschläger“ genannt. Sie sind mittelgroß, der Schnabel ist normal lang. Sie sind meist doppelkuppig, seltener nur mit Haube. Die Augen sind bei weißen dunkel, bei schwarz, rot und silberblau orangerot. Die Füße sind immer dicht bestrümpft. Das besondere Merkmal ist der Schwanz mit 25-29 Federn. Auch hier wachsen die Federn teilweise senkrecht. Sieht alles etwas wüst aus. Sie sollen nicht sehr hoch fliegen, sich aber im Flug überschlagen. Ich konnte es leider selbst nicht sehen, ob sie nun rollen oder purzeln.

Purzler in eisfarbig

Eine Mövchenrasse gibt es auch in Peking. Die „Pekinger Mövchen“ ähneln unseren Altdeutschen Mövchen, nur sind sie hier immer glattköpfig. Sie sind reinweiß mit farbigem Flügelschild. Es gibt sie in allen möglichen Schildfarben. Der Schnabel liegt in der Länge zwischen kurz und sehr kurz. Es heißt, dass diese Rasse schon in 11.Jahrhundert in China gezüchtet wurde und dann auf der Seidenstrasse in Richtung Osten als Handelsobjekt gelangte. Vielleicht sind sie der Urahn unserer bekannten Schildmövchenrassen? Leider ist solch eine Behauptung nicht beweisbar. Man müsste dann eventuell manche Rassetaubenentstehungsgeschichte umschreiben. Es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen dazu, oft sind nur Bilder aus vergangenen Jahrhunderten vorhanden, ohne genaue Datierung.
Das Jabot ist immer sehr stark ausgeprägt. Sie werden immer im Freiflug gehalten. Zur Zucht sind Ammen nötig. Viele Taubenzüchter halten die Mövchen neben ihren anderen Rassen.

Eine sehr alte Rasse sind die „Altpekinger Weißen“. Hübsche kleine Tauben mit roten Augen und rotem Augenrand. Sie sind immer weiß und glattköpfig, die Fußbefiederung schwankt von bestrümpft bis belatscht. Es sind typische Kurzschnäbler und erinnern an die glattköpfigen Usbekischen Tümmler. Usbekistan liegt ja auch an der Seidenstrasse. Also ist ein hin oder her von Taubenrassen leicht möglich gewesen. Zur Zucht sind Ammen nötig. Auch diese Rasse wird mit 2-3 Paaren nebenbei gehalten. Sie fliegen recht gut. Reine Tiere sind selten. Es werden oft Kreuzungen mit weißen chinesischen Tümmlern angeboten, die oft eine Nasenkuppe haben.

Eine weitere kleine Taubenrasse sind die „Blauen mit den großen Füßen“. Kleine kurzschnäblige Tümmler mit Perlaugen und rotem Augenrand. Wie der Name schon sagt, sind sie stark belatscht. Sie sind immer glattköpfig. Schwarze und Weiße sind ebenfalls vorhanden. Sie heißen dann eben analog „Schwarze mit großen Füßen“ u.s.w..
Zur Zucht sind Ammen erforderlich. Ich konnte bei verschiedenen Züchtern, die Kurzschnäbler züchteten, feststellen, dass die Anzahl der Ammenpaare recht bescheiden im Verhältnis zu den Kurzschnäblern war. Dies hängt mit dem geringen Platzangebot in der chinesischen Hauptstadt und den dadurch sehr kleinen Schlägen zusammen. Oft werden dann doch lieber ein Paar Rassetauben mehr gehalten. Hier ist meiner Meinung nach auch die Seltenheit der Kurzschnäbler zu erklären. Neben Sporttauben werden als Ammen auch Pfautauben sehr alten Typs verwendet.

Am Ende komme ich zu meinen absoluten Lieblingen, was die Namensgebung betrifft.

Zuerst eine kleine kurzschnäblige Taube mit orangeroten Augen und breiten rotem Augenrand. Es gibt diese Rasse nur in schwarz. Sie wird „Schwarzer goldener Fisch“ genannt.
Das glanzreiche Gefieder und der Flug sind vielleicht für die Namensgebung verantwortlich. Sie sollen sehr gut und hoch fliegen. Fisch ist vielleicht das Gegenstück zu der Bezeichnung Tümmler bei uns? Rückfragen zum Namen stießen auf Unverständnis. Ist doch ein guter Name!

Schwarzer Goldener Fisch

Die letzte Rasse ist der „Graue Ochse“. Auch sie sind kleine Tauben. In der Farbe ähnlich den Erlauer Tümmlern. Der Name bezieht sich auf die Farbe nasser Wasserbüffel, also schmutzig graublau. Sie haben ein mehr oder weniger gutes Perlauge. Es ist kein Kopfschmuck vorhanden. Es sollen gute Truppflieger sein und hoch fliegen. Sie ziehen ihre Jungtiere gut auf. Der „graue Ochse“ zählt in China zu den seltenen Rassen.

Grauer Ochse

Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in die neue und wahrscheinlich doch sehr alte chinesische Taubenrassewelt hat einige neue interessante Erkenntnisse gebracht.
Viele Leser werden sagen: ... schon wieder neue Taubenrassen. Aber da kann ich beruhigen. Sicher wird keine dieser beschriebenen Rassen den Weg ins deutsche Ausstellungsgeschehen finden. Taubenausstellungen sind in China noch völlig unbekannt. Da es auch keinen Taubenstandard gibt, wird die Zucht recht locker und mit weiten Grenzen in den einzelnen Merkmalen betrieben. Taubenzucht ist in China eine Freizeitbeschäftigung, nicht mehr und nicht weniger.
Bei einer Reise durch das riesengroße China, ohne zeitliche Zwänge, wird sicher noch die eine oder andere im Westen unbekannte Taubenrasse zu finden sein. Also mal sehen was die Zukunft bringt.

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